Die guten alten Tage des IRC
Oder: wie wenig ein Titel mit dem Inhalt zu tun haben kann
Copyright Kai 'Oswald' Seidler, 7.Nov'97
Immer wieder hört bzw. liest man im IRC oder im Usenet von den sogenannten
- oder selbsternannten - alten Hasen, wie schön und gar friedlich das IRC doch
vor Jahren war. Alle waren lieb zueinander und hatten sich gern. Es gab keine
Skripte, noch gab es mIRC - oder anderes neumodisches Zeug - und sowieso nur
ganz selten mal einen anderen Client neben ircII. Es gab auch kaum Frauen.
Aber das ist ja für einen schwanzlosen Informatiker nicht so schlim.
Bildlich.
Zwischenspiel
Stell dir vor, es ist RP und zwischen der Menge schreit eine Frau: "Fick
mich.", und keiner merkt's. Bildlich.
Selbstüberschätzung
Es ist zum Kotzen, dieses Gejammere. Schaut man sich die Mehrzahl derjenigen
an, die es aus der "guten alten Zeit" bis heute im IRC durchgehalten haben,
dann ist das ein jämmerlicher Haufen in ihrer kleinen Welt gefangener Freaks.
Das wäre ja nun gar nicht mal so schlimm. Nur halten sie sich für was
besseres. Für was Intellektuelleres. Für die Elite? Man könnte es
verzeihen, wenn es stimmen würde. Wenn es wenigstens annähernd stimmen
würde. Nur im Ansatz. Nichts da! Nicht mal Bildlich.
Hochgehalten und getragen von einer Masse sich mit Skripten die Köpfe
einschlagender kleiner Menschen, träumen sie von vergangenen Tagen und
verdrängen die Wirklichkeit ihres einsamen und traurigen Lebens. Berufen
sich innerlich auf vergangene Lorbeeren. Was sie so für Lorbeeren halten.
König der...
Seit Jahren suche ich nach der passenden Metapher. Der König der Idioten
muß auch ein besonders großer Idiot sein. So ist es ganz besonders im IRC.
Nun, ich möchte damit nicht behaupten, daß es im IRC Könige gibt. Aber es
gibt jene, die sich für welche halten und es gibt jene, die jene dabei
bestätigen.
Anale Bestätigung
Ich kann es verstehen. Es ist nicht leicht, wenn einem die Leute
schlangestehend in den Arsch kriechen, den selbigen auf dem Boden zu behalten.
Besonders dann, wenn das schöne Gefühl im Allerwertesten noch das einzige
Bemerkenswerte im Leben ist. Das macht es noch viel wertvoller. Wie eine Droge.
Tafelrunde
Die einen benutzen Kriegs-Skripte, führen Schlachten um Kanäle und
Nickname um ihrem Ego etwas Gutes zu tun. Die anderen verstecken sich
mit ihren fetten Leibern oder pickeligen Gesichtern hinter der körperlosen
Anonymität des IRC, um nicht ihre letzten Chancen als soziale Wesen zu
verpassen. Und wieder andere kämpfen einen heiligen Krieg gegen die
Skriptegläubigen, um dabei ihre Erfüllung zu finden.
Ich poste, also bin ich...
ist die Lebensgrundlage einer ganz besonderen Gruppe von IRCern.
Nun, sie findet man nicht nur im IRC, auch im Usenet hat diese
Spezies einen Lebensraum gefunden. Sie brabbeln und blafaseln den ganzen
Tag seitenweise geistigen Durchfall. Haben zu jedem Thema etwas zu sagen...
glauben sie. Ganz besonders das Usenet ist voll von ihnen.
Ich forwarde, also bin ich
Diejenigen, die zwar erkannt haben, daß Brabbeln und Blafasen nicht so "der
Bringer" ist, aber auch einen ähnlichen Knacks an der Waffel haben, befriedigen
sich mit den Verteilen von Informationen, die sie woanders gefunden haben. So
schaffen sie es, das ihr Name auch ab und zu mal zwischendurch irgendwo
auftaucht. Welch glorreiches Dasein...
Fazit
Das (deutsche) IRC ist ein großer Kreis von Menschen, die sich gegenseitig
etwas vormachen. Der erste macht dem zweiten was vor und der letzte wieder dem
ersten. Ein großer Kreis, zusammengehalten von den Charakterschwächen der
Beteiligten. Das sei schlimm oder traurig? Nein, das ist gut so. Lieber
einen Haufen Psychopathen im Netz gefangen als frei in den Straßen.
Aber ob im Netz oder auf der Straße: sie sind die Verlierer dieses Lebens.
Gar nicht (vor)bildlich.