"dieses schimmernde Ultrametallicblau",
dachte Gott und legt faziniert die Silberscheibe auf den Träger
Copyright 1999 Kai Seidler (5jun99)
Seinerzeit
Ich muß es ja zugeben: ich bin verdammt spät zum Brennen gekommen.
Schon vor Jahren hörte ich Freunde und Bekannte darüber diskutieren,
wo, wann und für wieviel sie irgendwo, irgendwelche Rohlinge erwerben
konnten. Die Preise variirten von 20 bis 30 Mark und irgendwer hatte
sogar welche für günstige 13 Mark organisieren können. Ich sehe sie
schon als halbsenile Großväter von diesen schweren Zeiten schwärmend leiden.
Heute
Aber das ist Geschichte! Heute brenne ich alles, was mir unter die Finger
kommt: Playstation Spiele, obwohl ich keine Playstation habe; Musik CDs, als
vermeindlich originelles und billiges Geburtstagsgeschenk für Freunde;
PC-Spiele und Microsoft Office Jahrtausend Ausgaben, obwohl ich gar keinen Windows PC habe;
die xte Version von Photoshop, auch wenn ich eigentlich immer nur GIMP benutze.
Augenblick
Nun mag das Ganze vielleicht nicht von besonderem Sinn sein. Mögen die CDs auch
alle langsam, fein säuberlich aufgreit, in Regalen verstauben: Ich kann nicht
anders! Es ist der Kick, wenn ich auf den "OK"-Knopf drücke und der
Kopiervorgang auf meine Order beginnt. Das Vorspiel die original CD in den
superxfach CD-Reader zu legen; mit spitzen Fingern vorsichtig das
jungfräuliche, ultrametallicblaue Schreibchen zu nehmen und es mit gespannter
Vorfreude in den Schieber des CD-Writers fallen zu lassen. Das "ritsch" wenn
die CDs im Computer verschwinden. Und das "ritsch" wenn die neue Kopie vor
einem aus dem Rechner schnellt. Oder nur der Anblick der Kopie, wenn sie
bereits vom Computer ausgeschoben wurde und man nun endlich beim xten mal Nachsehen
erfährt, daß der schöpferische Akt vollendet ist.
Augenblick II
Aber da ist noch eine hauchdünne Schicht vor der endgültigen und kurzfristigen
Befriedigung. Noch etwa 12x25 cm² bunt bedrucktes Papier schreit in meinem
Herzen danach auf eine Glasfläche gedrückt zu werden, um mit einem
blendendhellen Lichtbalken in DPIs gewandelt zu werden. Um dann einem
erblindend gebündelten Lichtstrahl und einer rotierenden Farbrolle die
Möglichkeit zu geben ein anderes Stück Papier mit eben diesen DPIs zu
beglücken.
Finale
Das Papier beschneiden.
Das Juwelen-Kästchen zerlegen.
Das Eine in das Andere
Das andere wieder in das eine.
Das Schließen.
Der Sammler in mir ist befriedigt. Und wächst.
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