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| Global System for Mobile Communication
Kai Seidler, oswald@cs.tu-berlin.de, 3. Dezember 1996
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Als in den frühen 80er Jahren die analogen Mobilfunknetze in Europa rapide
wuchsen und jedes Land seine eingenen Technologien entwickelte, gab es eine
immer größer werdende Notwendigkeit für einen einheitlichen Mobilfunk-Standard.
Sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus EU-politischer Sicht war dies ein
unhaltbarer Zustand, und 1982 wurde auf der Conference of European Posts and
Telegraphs (CEPT) die Arbeitsgruppe Groupe Spécial Mobile (GSM) gegründet.
Sie erhielt das Mandat, Empfehlungen für ein zellulares, pan-europäisches
Mobiltelefonsystem zu erarbeiten.
Am 20. Juni 1985 wurde hierfür zwischen Frankreich, Italien und der
Bundesrepublik Deutschland ein Zusammenarbeitsvertrag geschlossen, dem dann im
Sommer 1986 auch Grossbritannien diesem Vertrag beitrat. Im Mai 1987 wurde
zwischen diesen vier Staaten das GSM Memorandum of Understanding
vereinbart, das eine schrittweise Einführung eines pan-europäischen
Mobiltelefonsystem ab 1991 vorsah. Im September 1987 traten dem Memorandum
of Understanding 9 weitere Staaten (Schweden, Spanien, Norwegen, Dänemark,
Finnland, Irland, Italien, Belgien und die Niederlande) bei. Ein Jahr später
folgten Luxemburg, Österreich, die Türkei und die Schweiz [Klingler 1989].
1990 veröffentlichte dann das European Telecommunication Standard Institute (ETSI),
dem die Groupe Spécial Mobile im März 1989 unterstellt wurde, Phase I der
GSM-Spezifikationen. Aus der Abkürzung GSM mit der ehemaligen Bedeutung Groupe
Spézial Mobile wurde durch den pan-europäischen Gedanken Global System for
Mobile Communication.
Im Septemer 1996, sind in der GSM MoU Association 210 Mitglieder aus 105
verschiedenen Ländern und es sind 148 GSM-Netzwerke mit schätzungsweise 25
Millionen Teilnehmern im Betrieb. Von der GSM MoU Association wird erwartet,
daß es im Jahr 2000 100 Millionen Teilnehmer in 120-140 Ländern sein werden.
[GSM MoU 1996]
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Offenheit
Die Empfehlungen der GSM versuchen trotz ihres 6000 Seiten Umfangs eine große
Offenheit gegenüber neuen Diensten und Erweiterungen zu behalten und trotzdem
eine Kompatibilität zwischen den Systemen zu erhalten.
Gelöst wird dies dadurch, daß die GSM-Empfehlungen hauptsächlich
aus Schnittstellen-Beschreibungen bestehen.
Mobilität
Jeder Teilnehmer hat die Möglichkeit, auch in anderen Ländern mit eigenen
GSM-Netzen zu telefonieren und dort auch mit seiner "lokalen" Telefonnummer
erreichbar zu sein (internationales Roaming).
Mit einer Chipkarte identifiziert sich der Teilnehmer und ist so in der
Lage, fremde Telefone benutzen zu können, z. B. in einem Mietwagen. In dieser
Karte können auch bis 100 Rufnummern gespeichert werden.
In den GSM-Empfehlungen wurde auch berücksichtigt, daß die Mobiltelefone
möglichst klein und leicht sein sollten, um bequem getragen werden zu können.
Wirtschftlichkeit
Ein GSM-Netz zeichnet sich, besonders im Gegenstz zu analogen Funknetzen, durch
hohe Kapazität und optimale Ausnutung der Frequenzbandbreiten aus. Die Kosten
für den Kunden (Mobiltelefon) und den Netzanbieter (Netzbetrieb) sind möglichst
gering.
Sicherheit
Die Sicherheits-Methoden des GSM sind die sichersten für zellulare Mobilfunksysteme, die
es zur Zeit gibt. Die Abhörsicherheit einer GSM-Verbindung wird durch Verschlüsselung
und durch Frequency hopping geschaffen. Durch die Vergabe von temporären Identifikations
Nummern wird die Anonymität des Teilnehmers gewahrt. [Margrave 1995]
ISDN-Kompatibilität und Datenübertragung
ISDN-Kompatibilität war ein Designkriterium für die GSM-Empfehlungen.
Allerdings wurde die Übertragungsbandweite eines ISDN B-Kanals von 64 kBits/s
aufgrund der fehlenden Kapazitäten bei einer Funkübertragung nicht erreicht und
die Datenübertragung im GSM-Netzen ist auf 9600 Bits/s begrenzt. GSM bietet aber
auch die Möglichkeit des Datenaustauschs u. a. mit analogen Telefonsystemen und
mit packetorientieren öffentlichen Netzwerken (Packet Switched Public Data
Networks) [Scourias 1995].
Short Message System
Mit dem Kurzmitteilungsystem (Short Message System, SMS) können Nachrichten bis zu 160 Bytes Länge
von einem GSM-Teilnehmer zu einem anderen gesendet werden. Auch ein
Broadcast-Versand (cell broadcast) an alle Teilnehmer einer GSM-Zelle ist
möglich.
Außerdem bietet GSM neben einem eigenen Notruf-System ("112") und einem
Fax-Dienst (Gruppe 3) auch viele Funktionen, wie man sie von Nebenstellenanlagen
oder ISDN kennt:
Anrufweiterleitung, Rufnummernanzeige und Übermittlung, Anrufsperrung, Halten,
Makeln, Konferenzschaltungen.
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Ein GSM-Netzwerk besteht aus drei Hauptteilen: dem Mobilstation (Mobile
Station), dem Basisstations-System (Base Station Subsystem) und der
Mobilzentrale (Network Subsystem). Das Basisstations-System besteht aus dem
Funksystem und verwaltet die Verbindungen mit den Daten-Endgeräten. Es ist so
spezifiziert, dass es unempfindlich, verläßlich, portabel und preisgünstig ist.
Die Mobilzentrale übernimmt die Schaltung der Anrufe der GSM-Teilnehmer und die
Verwaltung der Daten-Endgeräte.
Mobilstation
Die Mobilstation besteht aus dem Daten-Endgerät (Mobile Equipment, ME) und
einer Chipkarte (Subcriber Identify Module, SIM). Diese sogenannte SIM-Karte
enthält unter anderem die International Mobile Subscriber Identity (IMSI) eines
Teilnehmers. Einen weltweiten eindeutigen Kode, der nur einem Teilnehmer
zugewiesen ist und mit dem sich ein Teilnehmer im GSM-Netz identifiziert.
Dadurch, daß diese Information in der Chipkarte gepeichert ist, ist ein
Teilnehmer nicht vom Daten-Endgerät abhängig und kann auch durch Einsetzen
seiner SIM-Karte andere Endgeräte benutzen. Die SIM-Karte kann mit einer
Personal Identity Number (PIN) vor unberechtigtem Zugriff geschützt werden.
Das Daten-Endgerät selbst ist mit einer eindeutigen International Mobile
Equipment Identy (IMEI) versehen.
Die "Luftschnittstelle" zwischen Mobilstation und dem folgenden Basisstations-System
wird in den GSM-Empfehlungen Um-Schnittstelle genannt.
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| Abbildung 1: Die GSM-Architektur. ME: Mobile Equipment, SIM: Subscriber Identity Module, MS: Mobile Station,
BSS: Base Station Subsystem, BTS: Base Tranceiver Station, BSC: Base Station Controller,
NS: Network Subsystem, HLR: Home Location Register, VLR: Visitor Location Register,
AuC: Authentification Center, EIR: Equipment Identy Register,
MSC: Mobile service Switching Center, Um: Um Interface, Abis: Abis Interface, A: A Interface.
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Basistations-System
Das Basisstations-System (Base Station Subsystem) besteht aus Basisstations-
Sendeempfänger (Base Tranceiver Station, BTS) und der Basisstations-
Steuereinheit (Base Station Contoller, BSC). Der Sendeempfänger definiert die
GSM-Zelle und übernimmt die Kommunikation mit den Mobilstationen. Die
Steuereinheit verwaltet hingegen einen oder mehrere Sendeempfänger. Zu ihren
Aufgaben gehört u.a. der Verbindungsaufbau, das Frequency Hopping und das
Weiterreichen einer Mobilstation zu einem anderen Sendeempfänger.
Der Steuereinheit ist die Verbindung des Basistations-System zur Mobilzentrale.
Innerhalb des Basistations-System kommuniziert die Steuereinheit mit dem
Sendeempfänger über die A-bis-Schnittstelle. Die Kommunikation mit der
Mobilzentrale findet über das A-Interface statt.
Mobilzentrale
Die Mobilzentrale (Mobile services Switching Center, MSC)
hat zunächst die gleiche Funktionalität wie eine normale Vermittlungszentrale in einem Festnetz.
Sie verfügt aber über zusätzliche
Funktionalitäten, die es ermöglichen, sich bewegende Mobilstationen zu verwalten: wie
z. B. das Ein- und Ausbuchen einer Mobilstation, Authentifizierung, Call Routing. Die
Mobilzentrale stellt auch die Verbindung zum Festnetz dar.
Zur Mobilzentrale gehören noch das Heimregister (Home Location Register, HLR)
und das Besucherregister (Visitor Location Register, VLR). Das Heimregister
enthält sämtliche administrativen Informationen über einen Teilnehmer und deren
momentane Position. Im Besucherregister stehen nur die für die Anruf-Vermittlung und Abrechnung
wichtigen Informationen eines Teilnehmers, der in den geographisch begrenzen
Zuständigkeitsbereich eines Besucherregisters fällt.
Neben diesen Registern enthält die Mobilzentrale noch das Equipment Identity
Register (EIR) und das Authentification Center (AuC). Im EIR sind alle
gültigen IMEIs der Daten-Endgeräte aufgeführt. Eine IMEI ist dann ungültig,
wenn z. B. das Daten-Endgerät als gestolen gemeldet wurde. Das AuC ist eine
besonders gesicherte Datenbank, die alle Secret Keys der Teilnehmer enthält.
Der gleiche Secret Key ist auch in der SIM-Karte des Teilnehmers gespeichert.
Mit diesem Secret Key wird die Verschlüsselung und zur Authentifizierung
realisiert.
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GSM-Mobilfunknetze benutzen einen Frequensbereich von 890 MHz bis 960 MHz. Der
Bereich von 890 MHz bis 915 MHz wird zur Datenübertragung von der Mobilstation
zur Basisstation (Uplink-Richtung) benutzt und der Bereich von 935 Mhz bis 960
MHz zur Datenübertragung in umgekehrter (Downlink-)Richtung.
Jeder dieser Bereiche ist in 124 Kanäle eingeteilt und jeder einzelne Kanal
wird durch ein Zeitmultiplexverfahren (Time Division Multiple Access, TDMA) in
noch weitere Kanäle unterteilt. Ein Kanal wird in einem aus 8 Timeslots (a 577 ms)
bestehenden TDMA-Frame aufgeteilt. Jedem Teilnehmer wird ein Timeslot
zugeordnet. Die Mobilstation kann innerhalb dieses Timeslots 148 Bit Daten
übertragen, davon sind 26 Korrelationsbits und 6 Synchronisationsbits. Die
Timeslots der Uplink- und Downlink-Richtung sind um 3 Timeslots verschoben. So kann
die Mobilstation mit nur einem Synthesizer Senden und Empfangen.
Die maximale Übertragungsgeschwindigkeit für Sprachdaten, die mit diesem
Verfahren erreicht werden kann, beträgt pro Timeslot 13,6 KBits/s. Diese hohe
Übertragungsgeschwindigkeit wird aber nur durch die optimierte
Sprachübertragung auf einem unsicheren Medium erreicht. Die maximale
Übertragungsgeschwindigkeit von reinen Daten liegt mit 9,6 KBit/s wesentlich
niedriger [Kauer 1994].
Einem Vergleich mit ISDN und seinen 64 KBit/s hält GSM also auf keinen Fall
stand. Aber bei GSM ist der ausschlaggebende Punkt auch nicht die
Übertragungsgeschwindigkeit, sondern die Ortsunabhängigkeit einer Mobilstation.
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- [Biala 1994]
- Biala, Jacek "Mobilfunk und Intelligente Netze", Friedrich Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft, 1994.
- [GSM MoU 1996]
- "Press Release: World's GSM Networks Converge on Hong Kong for First Ever Asian Plenary" GSM MoU Association, http://www.gsmworld.com, 1996
- [Hillebrand 1989]
- Friedrich Hillebrand "Von analog zu digital - Welches Netz für welche Anwendungen?", FIBA Kongresse und Publikationen, München, 1989, S. 91-120
- [Kaiser 1994]
- Frank Kaiser "Jetz funkt's - Konzepte und Angebote im D1-, D2- und E-Plus-Netz", c't, Heft 7, 1994, S. 128-136
- [Kauer 1994]
- Dietmar Kauer "Durch den Äther - Datenkommunikation in GSM-Netzen", iX, Heft 3, 1994, S. 150-154
- [Klingler 1989]
- Rolf Klingler "Digitaler Mobilfunk - Ein Muster europäischer Zusammenarbeit", FIBA Kongresse und Publikationen, München, 1989, S.124-132
- [Luckert 1992]
- Volker Luckert "Mobile Normen - GSM-Systeme in Europa", iX, Heft 8, 1992, S. 64-67
- [Margrave 1995]
- David Margrave "GSM Security and Encryption", M.S. Scholarly Paper, George Mason University, 1995
- [Scourias 1995]
- John Scourias "Overview of the Global System for Mobile Communications", University of Waterloo, 1995
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